Gestern sollte für Chris (Chris479) und Wolgang (Ücki) der große Guiding-Tag starten. Nachdem wir ursprünglich den deutschen Rhein auf dem Plan hatten, disponierten wir kurzfristig auf die holländischen Gewässer um, da ich dort bessere Fangaussichten erwartete. Der Lehrgang des Vortages zeigte mir schon, dass die Fische nicht unbedingt in bester Beißlaune waren.
Bei niedrigem Wasserstand und faulen Fischen würde es sehr schwer werden. Trotzdem starteten wir frohen Mutes sehr früh in das Abenteuer “Guiding-Tour”. Treffpunkt war 6.30 Uhr an der Autobahn bei Hünxe. Es war so voll dort, dass ich mir meine Teilnehmer erst einmal suchen musste. In meinem Auto fuhren wir gemeinsam weiter und fachsimpelten. Es ging um größte Hechte, erst mal überhaupt was fangen und wie gut der Tag denn werden könnte. Wolfgang verriet noch, dass er bisher keinen wirklich großen Hecht überlisten konnte und Chris sehnlichster Wunsch war es, endlich mal einen Räuber bzw. Zander mit Gummiköder zu überlisten… Eigentlich dankbare Gäste für einen Guide dachte ich noch insgeheim. Gegen 7.45 hatten wir dann das Boot im Wasser am Rhein und fuhren die erste Stelle an. Eine Buhne war gleich zu Beginn so voll mit Fisch, dass wir sehr optimistisch dort ankerten und mit dem Angeln begannen. Tatsächlich stieg schon nach einigen Minuten der erste Zander auf “Slotti S – Flusskönig” ein. Ein Auftakt nach Mass – wir hatten Grund zu größeren Hoffnungen. Leider wichen die bald wieder der Realität, denn über Stunden bekamen wir zwar sehr vereinzelt Fehlbisse, konnten jedoch keinen Fisch mehr haken. Mir war als Guide sehr unwohl in meiner Haut. Die Aussagen der Kunden in den letzten Tagen schienen sich zu bewahrheiten – “es läuft nicht gut im Moment”! Wir probierten vieles: flach, tief, bewegtes Wasser und ruhiges Wasser – NICHTS tat sich. Der Horror für einen Guide – schließlich hatten sich Wolfgang und Chris seit Wochen auf diese Tour gefreut. Chris schien zwar schon recht zufrieden, weil er einige wesentliche Fehler in seiner ursprünglichen Köderführung ausmerzen konnte, aber zu einer ordentlichen Guiding-Tour gehören nun einmal auch ordentliche Fische. Ich entschloss mich zu einem riskanten Experiment und wir fuhren in einen Baggersee, den ich dieses Jahr noch gar nicht befischt hatte. Aus alter Erfahrung fuhren wir dort einen interessanten Bereich mit viel Struktur an, in dem wir prompt viel – versprechende Echos auf dem Echolot entdeckten. Die Sonne strahlte und wir hatten “Ententeichwetter” – “nicht unbedingt gut für die Angelei im Stillwasser” dachte ich mir noch, als es (ausgerechnet bei mir) wieder auf Slotti S ( diesmal Rotauge 15 cm) rumste.
Ein schöner Zander mutmaßte ich noch, als ein super-fetter Barsch zum Vorschein kam. Chris und Wolfgang staunten über den tollen Fisch und waren wieder voller Optimismus! Zu Recht, wie sich kurz darauf herausstellte, denn zunächst bei Chris, anschließend bei Wolfgang stiegen 2 weitere Prachtbarsche auf unsere Slotti S ein. Alle 3 Fische waren locker über 40 cm und jenseits der Kilo-Marke. Chris war superglücklich, denn er hatte endlich seinen “Spinnfischerfluch” (er glaubte, er würde nie etwas fangen…) abgelegt. Es kam noch besser für ihn, denn kurze Zeit später rappelte es wieder ordentlich bei ihm: Der erste Gufi-Zander folgte dem Dickbarsch. Er hatte ihn noch nicht im Boot, da rupfte es auch an meinem Slotti: Doppeldrill mit Zander! Super! Meine Sorgen um das Gelingen des Tages wichen – wir hatten wohl einen Hot-Spot gefunden, an dem die Fische nicht so zickig waren wie anderswo… Chris geriet völlig in Begeisterung, als er einen weiteren Zander drillte, der sich leider kurz vorm Boot wieder verabschiedete. Wolfgang freute sich mit uns und montierte seine “Geheimwaffe”: “Slotti S Rotauge 12 cm”. Es sollte für ihn eine denkwürdige Köderwahl werden! Schon kurze Zeit später hämmerte ein mächtiger Fisch auf seinen Köder. “Uih” war sein erschrockener Ausruf und nach kurzem, aber wildem Drill zeigte sich ein wirklich schöner Hecht an der Oberfläche.
Chris und Wolfgang waren sichtlich beeindruckt und aufgeregt:
Wer mit großen Räubern kämpft, trägt auch schon einmal eine blutige Verletzung davon…
Ein “fast Metriger Esox” landete per Handlandung im Boot. Die Freude war jetzt natürlich grenzenlos. “Jetzt haben wir sie und fangen bestimmt noch einiges…”, denn alle Fische hatten innerhalb vielleicht einer Mittagsstunde gebissen. Ich wurde sehr optimistisch, was die kommenden, eigentlich günstigeren Stunden anging. Dies stellte sich jedoch nachher als übermütig heraus. Über Stunden blieben wir zwar nicht ohne Bisse – aber ohne Fisch. Wir sahen sie auf dem Echolot, probierten und machten, aber außer einigen zaghaften Zupfern tat sich gar nichst mehr. Spät am Nachmittag entschlossen wir uns, doch noch einige andere Stellen zu beangeln. Chris avancierte zum “Bisskönig” und drillte sogar hier und da kurze Zeit einen Fisch – das Quentchen Glück bis zur Landung blieb ihm aber verwehrt. Wolfgang hatte nur noch eines im Kopf: Ein Zander muss her, um das klassische Trio voll zu machen, aber er wollte einfach nicht beißen. Langsam begaben wir uns auf den Rückzug und probierten hier und da noch mit einigen Würfen.
Chris konnte nach Stunden ohne Fisch endlich doch noch einen Fisch haken – wieder ein sehr schöner Barsch! Praktisch mit der allerletzten Stelle, es war inzwischen schon dunkel geworden, rappelte es doch noch einmal bei Wolfgang: Der Zandertraum wurde doch noch war. Zwar recht klein, aber hier ging es ja um andere Zielsetzungen.
Ich war erleichtert und 2 Angler fuhren glücklich nach Hause. Ihr wart eine tolles und nettes Guiding-Team!
Bericht von Uli Beyer, vor Mai 2009
Wer Interesse an einer Guiding-Tour mit Uli + Boot hat, kann sich gern unter info@angel-ussat.deweitere Infos erfragen.
