Im diesjährigen Skiurlaub Anfang Januar hatten wir durch einen Verkehrsunfall einen unfreiwilligen Zwangsaufenthalt in einem kleinen Dorf in Tirol. Das Dorf heißt Gerlos. Schon im Winter fiel mir der wunderschöne Bach auf, der sich durch das Tal schlängelt.
Zudem erfuhren wir, dass Gerlos hervorragenden Sommer- wie Wintersport bietet. Man kann auf ausgewählten Strecken optimal walken und wandern. Im „Aktiv Programm“ findet jeder seine individuellen Urlaubsaktivitäten. Und so stand das diesjährige Sommer-Urlaubsziel fest.
Die Fischereirechte der Gewässer rund um Gerlos sind im Besitz der Familie Platzer, die ein schönes Hotel in der Dorfmitte besitzen. Der Gerlos Bach liegt lediglich 50m vom Hotel entfernt. Da die Gastkartenausgabe ist auf die Hotelgäste beschränkt ist, findet jeder Fliegenfischer ausreichend Platz zum fischen. Die Preise sind moderat und die Kartenausgabe ist fair geregelt. Leider konnten wir im August nicht im Hotel Platzer buchen, da das Hotel umfangreich umgebaut wird. Ab dieser Wintersaison führt das Haus dann fünf Sterne. Allerdings gestattete mir die Familie Platzer freundlicherweise, Gastkarten für zwei Tage zu lösen, um das Revier zu befischen. Trotz des Streß der Umbaumaßnahmen nahm man sich Zeit für mich und gab mir vorab nützlich Tipps mit auf dem Weg.
Das Revier besteht aus dem Gerlos Bach mit seinen Zuflüssen, dem Finkausee, dem Durchlassboden und dem Stausee Gmünd. Die Fließstrecken und der Finkausee dürfen ausschließlich mit der Fliege befischt werden. In den Seen sind auch andere Köder erlaubt. Der Bestand der Bäche setzt sich aus Bach- und Regenbogenforellen, sowie Saiblingen zusammen. Ein Äschenbestand in den Fließstrecken ist nicht vorhanden. Der Bestand scheint gut zu sein, da aus dem Fließstrecken keine Fische entnommen werden dürfen. Leider trägt diese gängige Praxis auch dazu bei, dass die Fische sich heikel verhalten. Für den regelmäßigen Besatz wird gesorgt. Während unseres Aufenthalts regnete es ein paar Tage. Leider besaß ich genau für die Tage eine Lizenz. Der Fluss schwoll auf den doppelten des normalen Wasserstandes an und das Wasser war eingetrübt. Das Fischen im Gerlosbach war unmöglich! Zum Glück hatte ich auf ausgiebigen Wanderungen das Revier erkundet und konnte ein kleinen Bach finden, der so eben noch befischbar war. Dort konnte ich mit Nymphe und Streamer Bach- und Regenbogenforellen überlisten. Im Allgemeinen keine Riesen, aber der Angler freut sich.
Am zweiten Tag herrschten die gleichen Verhältnisse und ich wich auf die Seen aus. Leider hatte sich der Finkausee, in dem Äschen vorkommen, auch sehr stark eingetrübt. Auch dort war das fischen aussichtslos. In der Zwischenzeit hatten sich die Bedingungen am Gerlosbach aber wieder soweit verbessert, dass mir noch ein paar Stunden hervorragendes fischen beschert wurde. Die Gerlos zeigte sich von ihrem schönsten Seiten und ich konnte mit der Trockenfliege einige schöne Bachforellen überlisten. Natürlich hat ein so ausgezeichnetes Revier auch seine „kleinen“ Nachteile.
Damit die Sommergäste „raften“ können wir der Gmündstausee dreimal die Woche abgelassen und am Event-Tag wieder aufgefüllt. Während dieser Tage ist das Fischen im Bach unmöglich, da Wasserstand sowie Trübung dies gänzlich verhindern. Am besten, man informiert sich beim Verkehrsamt nach den Rafting-Terminen und meidet diese Tage.
Bei Regen trüb vor allem der Schönachbach den Gerlosbach ein. Das Gleiche gilt für den Zulauf des Finkausee.
Auf Grund der Stromgewinnung kann es zum Schwallbetrieb kommen. Ich denke aber, dass man sich auf diese Einschränkungen einstellen und trotzdem noch hervorragend fischen kann. Ich habe mich mit französischen Sportsfreunden unterhalten, die jedes Jahr zum fischen nach Gerlos kommen und rundum zufrieden sind. Ich denke, das spricht für sich! Auch ich werde nach Gerlos zurückkehren und das fischen in einem wunderschönen Revier genießen.
Abschließend möchte ich stichpunktartig noch ein paar Tipps und Randinformationen aufführen.
Hotel: www.hotelplatzer.at/www.hotelplatzer.at/Home.html
Dort stehen alle Informationen zum Revier bereit – Fliegenbindetisch, Fachliteratur, Fliegenfischerstammtisch
Hausgewässer: 5 Bäche, der Langer See (auf 2200m) und der Finkausee
Fischarten im Bach: Regen- und Bachforellen, Bachsaibling
Köder: Rehhaar Segde, Wooly Bugger und braune Goldkopf Nymphen
Schlupf: Steinfliege im Juni, Juli
Preise: Tageskarte 15€; Wochenkarte 75€
Bericht von Horst Otten, vor Mai 2009
